Sodbrennen, Reflux, eine psychosomatische Erkrankung? Chronischer Stress bringt den Hormonhaushalt durcheinander. Ein typisches Symptom ist die vermehrte Produktion von Gastrin und damit eine Stimulierung der Salzsäureproduktion.

Reflux, pathologisch oder psychosomatisch?

Florian Fischer Gesundheit

Reflux und das mit diesem Symptom in Verbindung stehenden Sodbrennen, ist eines der häufigsten Beschwerdebilder überhaupt. Nicht umsonst sind Medikamente der Gruppe Antazida und PPI (Protonenpumpeninhibitoren / Säureblocker) die meist verkauften Medikamente in deutschen Apotheken. Säureblocker schlagen im Absatz um ein vielfaches Medikamente gegen Kopfschmerzen, wie Aspirin oder Thomapyrin. Ein guter Grund also, sich dieser Symptomatik mal etwas näher anzunehmen und ein paar Fakten aus Medizin, Forschung, Psychiatrie und der Naturheilkunde zusammen zu tragen.

Ein junger Mann betritt meine Praxis. Er klagt über Sodbrennen. Es käme häufig vor, sagt er und er greife dann stets zu Säureblockern um dieses unerträgliche Sodbrennen los zu werden. Das geht nun schon seit drei Jahren so, und so langsam mache er sich große Sorgen. Die Ärzte, bei denen er bisher deswegen war, konnten ihm nicht wirklich weiter helfen. Sie verschrieben stets Antazida oder Protonenpumpenhemmer und empfahlen eine Ernährungsumstellung. Würde es damit langfristig nicht besser werden, so die Ärzte, wäre es sicher psychosomatisch.

Mir macht der junge Mann vor mir nicht den Eindruck als ob er eine Ernährungsumstellung benötige. Er ist groß, schlank und von athletischer Figur. Er raucht und trinkt nicht, nicht mal ein Bier oder so, es schmecke ihm nicht, sagt er. Auch die Ernährung macht einen guten Eindruck. Er isst kaum Junkfood, gelegentlich mal einen Teller Pasta oder eine Pizza, meist aber aus Vollkorn Teig, aber auch mal aus hellem Teig wenn es nicht anders geht. Mit anderen Worten, ich habe einen Patienten vor mir der regelmäßig Sport treibt, auf seine Ernährung achtet, keine Allergien hat und auch sonst in der Anamnese keinerlei Auffälligkeiten aufweist. Und trotzdem leidet er an unerträglichem Sodbrennen, welches insbesondere nachts stark zunehmen würde.

Geschichten wie diese sind kein Einzelfall. Im Gegenteil! Sie kommen sogar häufig vor und haben sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant vermehrt. Es scheint, sofern physiologisch alle Möglichkeiten ausgeschlossen wurden, dass Stress die Ursache dieser Problematik ist. Also doch alles psychosomatisch?

Ja und nein! Denn an diesem Punkt stellt sich die Frage, wo liegt die Grenze zwischen Medizin und Psyche? Meiner Meinung nach ist genau bei diesem Beispiel keine Grenze zu ziehen! Klar, wenn die Psyche, also Stress der Auslöser des Reflux ist, kann der Arzt nicht viel tun außer symptomatisch zu therapieren. Das eigentliche Problem muss der Patient selbst, oder mit Hilfe eines Psychologen lösen.

Ließe man diese Aussage so stehen, würden sich vermutlich viele Leser fragen, wie kann denn bitte Stress derartige physiologische Symptome hervorrufen? Das ist ein relativ komplexer hormoneller Prozess im Körper, den ich hier gerne erklären möchte, allerdings nicht im Detail, da dies zum eine den Rahmen dieses Blogs sprengen würde zum anderen für nicht Mediziner schwer verständlich zu machen ist. Daher in einfachen Worten grob zusammen gefasst:

Stress ist ein Alarmzustand des Körpers bei dem eine ganze Kaskade von Hormonen produziert und ausgeschüttet wird. Dass den meisten Menschen bekannteste Stresshormon ist Adrenalin aus der Gruppe der Katecholamine. Darüber hinaus gibt es aber noch eine Vielzahl weiterer Hormone die bei Stress synthetisiert und ausgeschüttet werden, doch von den meisten spüren wir im Vergleich zu Adrenalin nur sehr wenig oder überhaupt nichts. Dennoch entfalten diese Hormone an ihrem Wirkungsort manigfaltige Symptome. Hält dieses Hormon-Karussell über einen längeren Zeitraum an, kommt es zu einem physiologischen Ungleichgewicht des gesamten Hormonhaushaltes und zu folgenschweren Veränderungen im gesamten Organismus.

Mitunter ist auch die erhöhte Ausschüttung des Peptidhormons Gastrin ein wesentlicher Bestandteil von Stress. Gastrin triggert die Parietalzellen des Magens zu einer vermehrten Ausschüttung von Salzsäure wodurch der pH wert des Magens deutlich sinkt. Ein weiterer wesentlicher Faktor bei Stress und er damit verbundenen Symptomatik von Sodbrennen, der medizinisch auch als „gastroösophagialer Reflux“ bezeichnet wird, ist die Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkter, einer Klappe am Mageneingang die physiologisch dafür Sorge trägt, dass der Speisebrei dort bleibt, wo er hingehört, nämlich im Magen. Diese Konstellation aus vermehrter Magensäure (Salzsäure) Produktion und der Erschlaffung dieser Klappe, also der Barriere zwischen Magen und Speiseröhre ist eine äußerst begünstigende Situation um an einem akuten oder chronischen Reflux zu erkranken.

Die Therapie dieser Symptomatik kann mit, wie bereits erwähnt, kurzeitig mit Antazida oder PPI durchgeführt werden, die eine rasche Wirkung, allerdings zeitlich begrenzt, aufweisen. Bei chronischen Leiden ist diese Art der Medikation nicht zu empfehlen, da sich die Einnahme dieser Präparate negativ auf die Verdauung auswirken (Maldigestion Syndrom), die im folgenden weitere nicht unerhebliche gesundheitliche Probleme mit sich bringen können. Daher gilt bei chronischen Verläufen eine deutliche Stressreduktion herbeizuführen und mit Medikamenten auf Basis der Phytotherapie zu arbeiten. Pflanzliche Wirkstoffe haben sich bei chronischem Reflux in den letzten Jahren gut bewährt, zeigen langfristig eine gute Verträglichkeit und bringen keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. Welche Pflanzen in Form von Medikamenten, Tee´s oder Kräutern zum Einsatz kommen, muss von Patient zu Patient genau untersucht und bestimmt werden.

Nach meinen Erfahrungen hat sich eine Kombination aus bitterer Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmel- und Mariendistelfrüchten, Melissenblättern, Schöllkraut und Pfefferminzblättern bewährt. In mehreren klinischen Studien wurde damit ein schmerzlindernder, motilitätsfördernder, reflux- und entzündungshemmender Effekt nachgewiesen.

Euer

Florian Fischer